Panorama Lindendom 2013 (Foto: Falk Paetsch)

Lindendom

(…) Wir folgen jetzt dem Wege vom Tempel hinab
über den Gutshof durch das große Haus in den Garten
zwischen prachtvollen Blumen und reichen Obstbäumen,
dem Gewächshause vorbei, durch die hohe Lindenlaube
am Bach, wo der Besitzer schon seit längerer Zeit die
Anlage eines vollstimmigen Glockenspiels, welches durch
das Wasser getrieben würde, vorbereitet hat — bis wir
an die Gitterthür des Gartens gelangen, (…)
(Karl Witte: Zichtau oder die altmärkische Schweiz. 1824)

 

Die über 200 Jahre alten Sommerlinden sind vermutlich im Zuge der Park- und Landschaftsgestaltung durch den früheren Besitzer des Gutes Zichtau, Johann Christian Solbrig (1778-1850), Anfang des 19. Jh. angepflanzt worden. Sie bilden, wie bei Witte 1824 beschrieben, mit ihrem Kronendach eine natürliche Laube – eine Art Dom, aus dem man vom Park in die freie Landschaft  hinausbzw. in den Park hineintritt. Die vier mächtigen, mehrstämmigen Bäume mit Stammumfängen von 2,1 m bis 2,9 m sind als Naturdenkmal ausgewiesen.

Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), auch Großblättrige Linde, gehört zu den einheimischen Gehölzen in der Gattung der Linden, Familie der Malvengewächse. Sie blüht im Juni und ist damit die am frühesten blühende aller Lindenarten. Ihr Blütenduft lockt viele Bienen an und ist besonders gegen Abend intensiv. Die Fruchtstände werden vom Wind verbreitet, hängen aber an den kahlen Bäumen oft noch bis zum Spätwinter. Im Gegensatz zur Winterlinde sind die Blattoberseite und der Blattstiel bei der Sommerlinde behaart.

Die Linde ist der bedeutendste Baum unserer Kulturgeschichte. Schon die Germanen weihten ihn ihrer höchsten Göttin Freia. Im Schatten der Dorflinde wurde gefeiert, getanzt, geheiratet, aber auch Gericht gehalten. Im deutschen Volksliedgut, wie z. B. „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum (…)“ (nach der Melodie von Franz Schubert), in Sagen und Legenden, ist der Baum von Bedeutung. Das weiche, linde (daher wohl der Name), dennoch feste Holz wird bis heute in der Bildhauerei und bei der Spielzeugherstellung verwendet. Und ein Lindenblütentee sorgt bei grippalen Infekten durch seine  schweißtreibende Wirkung für „Linderung“.

Lindendom, 2011
Hochzeit am Lindendom, 2013 (Foto: Gut Zichtau)
aus: Deutschlands Flora in Abbildungen, 1796
Lindendom, 2014 (Foto: Gut Zichtau)