Schmuckbeet

Schmuckbeet

Lieber ein Stiefmütterchen als gar keine Verwandten
(Sponti-Spruch)

Vor dem Gutshaus „Alte Seite“, das samt Nebengebäude bis auf den denkmalgeschützten Pavillon 2012 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, standen vor der einst repräsentativen Westfassade zwei mächtige Linden. Davor lag ein bepflanztes Schmuckbeet, welches nach historischen Ansichten in den 1930er Jahren noch vorhanden war. Im Sommer 2012 ist es am  historischen Standort wieder hergestellt worden.
Schmuckbeete gab es bereit im 17. Jh. als Bestandteil barocker Parterres, die sich vor dem Schloss oder der Orangerie erstreckten. Die Bepflanzung der Beete wechselte entsprechend der Jahreszeit. Der Sommerflor bestand aus Blumen, Stauden oder blühenden Gehölzen. Anfang November wurden die  einjährigen Pflanzen abgeräumt und durch winterharte Blüher wie Stiefmütterchen und Erika ersetzt. Für einen ersten Blühaspekt im zeitigen Frühjahr setzte man außerdem Zwiebelpflanzen wie Tulpen und Narzissen ein. Niedriger Buchs bildete die barocke Beeteinfassung.

Schmuckbeete waren an den Rändern meist flach und erhöhten sich zur Mitte hin. Es entstand der so genannte Eselsrücken, welcher durch die Anordnung höherwüchsiger Stauden in der mittleren Reihe in seiner Fernwirkung noch verstärkt wurde. Die Pflanzen waren nach einem genauen Muster angeordnet und farblich exakt aufeinander abgestimmt. Häufig dominierten kontrastreiche Farben wie Blau und Gelb, Rot und Weiß. Mit dem Aufkommen der  Landschaftsparks im 18./19. Jh. verschwanden die Schmuckbeete; aufwändige Blumenarrangements entsprachen nicht dem Ideal der Aufklärung. Erst mit dem Historismus um 1900 erlebten sie in Form von Teppichbeeten eine neue „Blütezeit“. Dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend wurden die üppigen Dekorationen der Häuser in den Gartenraum verlagert. Figuren und Vasen anstelle von Pflanzen, Girlandenornamente, Wappen und organische Muster zierten die Blumenbeete.

Schmuckbeet
Die Westseite des Herrenhauses „Alte Seite“, Aquarell von Jenny v. Gossler,
1919 (Quelle: Kopie aus Privatbesitz G. Gräfe)
Biedermeierlicher Blumenkorb mit Terrakotta-Einfassung