Rotwildgatter "Nachtweide"

Rotwildgatter "Nachtweide"

Ein Fürst so seltäne ist im Himmel als ein Hirsch
in des armen Mannes Küche.
(Joseph Eiselein (1791-1856))

 

Der Grundgedanke für die Errichtung des Rotwildgeheges des Gutes Zichtau besteht darin, den Gästen und Besuchern den Blick in einen intakt erscheinenden Naturraum mit einer heimischen Wildart zu ermöglichen. Ziel ist es, dem wachsenden Bedürfnis des Menschen, sich in der Begegnung mit Natur, Wald und Wildtieren zu erholen, gerecht zu werden und Natur erlebbar zu machen. Im November 2011 wurde das Rotwildgehege mit einer Gesamtgröße von ca. 7,5 ha errichtet, davon 5,5 ha als Weidefläche und ca. 2,0 ha als Waldfläche. Das Gehege ist unterteilt in drei Gatter, von denen zwei als Äsungsfläche und Ruhezone und eines als Schaugatter mit Äsungsfläche dienen. Zur Errichtung des Rotwildgeheges wurden insgesamt rd. 1,5 km Wildschutzzaun verbaut.

Das Rotwild (Cervus elephus L.)

Das Rotwild gehört zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla), Unterordnung Wiederkäuer, Familie der Hirsche (Cervidae), Unterfamilie Echte Hirsche (Cervinae).

Vorkommen

Das Rotwild ist ursprünglich ein Bewohner der offenen Landschaft, doch durch die Besiedelung der Menschen musste es sich in Waldgebiete zurückziehen. Unsere größte einheimische Tierart besiedelt heute vor allem größere Waldgebiete im Mittel- und Hochgebirge (z.B. Harz, Eifel, Bayerischer Wald) sowie im Tiefland (z.B. Lüneburger Heide, Schorfheide).

Erscheinungsbild

Das Rotwild hat im Sommer ein rötlich-braun gefärbtes Fell, das sich im Winter dunkelbraun bis grau verfärbt. Nur die männlichen Tiere bilden ein Geweih aus, daher wird das weibliche Rotwild auch als Kahlwild bezeichnet. Der erwachsene Hirsch hat eine Schulterhöhe von ca. 1,3 m und eine Länge von ca. 2 m. Das durchschnittliche Gewicht beträgt ungefähr 200 kg beim Hirsch und 120 kg beim Alttier (erwachsenes weibliches Rotwild). Die Körperentwicklung ist beim Hirsch im 7. Lebensjahr, beim Alttier im 5. Lebensjahr abgeschlossen.

Fortpflanzung

Die Brunft findet von Mitte September bis Mitte Oktober statt. Das Kahlwildrudel findet sich auf den Brunftplätzen (Wiesen, Felder, Lichtungen) ein und wird vom Platzhirsch gegenüber Kontrahenten abgeschirmt. Das Röhren oder Schreien der Hirsche ist in dieser Zeit schon von weitem zu hören. Brunfthirsche nehmen während dieser Zeit kaum Äsung auf und können 15-20 kg an Gewicht verlieren. Das einzelne weibliche Tier ist nur 2-3 Tage brunftig und wird vom Hirsch getrieben und beschlagen. Nach Abklingen der Brunftzeit trennen sich die Hirsche wieder vom Kahlwildrudel.

Setzzeit

Nach ca. 34 Wochen (8,5 Monate) Tragzeit kommt meist ein Kalb, selten zwei Kälber, im Mai/Juni zur Welt. Die Kälber sind in den ersten Monaten gelblich gefleckt und verfärben im Spätsommer ins dunkle Winterhaar. In den ersten Lebenstagen legen sich die Kälber ab, d.h. sie drücken sich regungslos an den Boden und sind so relativ sicher vor Feinden. Im Rudel hat das Kalb die gleiche soziale Stellung wie seine Mutter. Es wird bis in den Winter gesäugt.

Lebensweise

Das Rotwild ist ein Rudeltier. Unter Führung eines Leittiers vereinigen sich Alttiere, Schmaltiere, Kälber und zeitweise junge Hirsche zu Rudeln. Erwachsene Hirsche stehen dagegen in kleineren Trupps beisammen und schließen sich nur in der Brunft dem Kahlwild an. Sehr alte Hirsche leben als Einzelgänger oder mit einem sogenannten Beihirsch und schließen sich ebenfalls dem Kahlwild in der Brunft an. Tagsüber hält sich Rotwild in den Einständen auf, die es zur Nachtzeit verlässt. Mehrmals am Tag äst es im Einstand oder seiner Umgebung. Die Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern, Baumfrüchten, Rinde, Nadeln und Blätter. Rotwild beansprucht großen Lebensraum und unternimmt weite jahreszeitliche Wanderungen (Sommer- und Wintereinstände). Aufgrund der starken Besiedelung durch den Menschen sind diese Wanderungen aber kaum noch möglich, woraus sich viele (forstwirtschaftliche) Probleme der Rotwildhege ergeben.

Literatur
http://www.wald.de/rotwild-der-hirsch
Fritz Nüßlein : Das praktische Handbuch der Jagdkunde, BLV
Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3405147891
Fritz Oehsen: Jäger-Einmaleins, Landbuch-Verlag, 10. Aufl.,
ISBN 3 7842 0386 3

Übersicht Wildgatter
Erläuterung Geweihbildung
Hirsch Heinrich (Foto: Steffen Barnbeck, Engersen)